Ausstellungseröffnung an der Leibnizschule

„Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“

„Demokratie ist – bei aller Unzulänglichkeit – eine Kostbarkeit“ - mit diesen eindringlichen Worten begrüßt Rainer Eppelmann die Schülerinnen und Schüler der beiden Leistungskurse Geschichte in der Q1/ Q3 am vergangenen Dienstag, 17.09.2019, in unserer Aula. Ebenso eindringlich schaut er in die Runde und führt aus, dass für ihn, der Diktatur und Demokratie am eigenen Leib erlebt habe, letztere das „Paradies“ sei - auch wenn es mitunter Dinge gebe, die uns zugegebenermaßen ärgerten oder ungerecht seien.

Der ehemalige Bürgerrechtler und heutige Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur war eigens an die Leibnizschule gekommen, um - gemeinsam mit Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz – die Ausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ zu eröffnen. In einer Gesprächsrunde stellte er sich den interessierten Fragen der Leibnizschüler und diskutierte ausgiebig mit ihnen.

Für die Oberstufenschüler, für die die Ereignisse um den Mauerfall und die Wiedervereinigung, wie Kultusminister Lorz in seiner Ansprache schmunzelnd erwähnt, wohl „in grauer Vorzeit“ liegen, wurde die Begegnung mit dem Zeitzeugen und Bürgerrechtsaktivisten wie eine Reise in die deutsch-deutsche Vergangenheit: Eindringlich und packend erzählt Eppelmann von den Ereignissen rund um den Zusammenbruch der DDR. Der ehemalige Bürgerrechtler erzählt den Schülern und Schülerinnen so lebhaft vom Abend des 9. Novembers, dass die Ereignisse und die Stimmung dieses denkwürdigen Tages geradezu greifbar werden. Ein Freund und er seien auf das Gerücht, die Mauer sei offen, an den Grenzübergang „Bornholmer Straße“ gedrängt. „Unbeschreiblich“, so Eppelmann sei das Gefühl gewesen, als der Schlagbaum endlich aufgemacht wurde und die Grenzer den immer lauter werdenden Rufen und Drängen der Menschen folgten. 40 Jahre hätten viele dieser Menschen auf diesen Moment gewartet und dann sei die Grenze geöffnet worden, als sei es „das Einfachste und Selbstverständlichste überhaupt.“

Wie Eppelmann, der letzte demokratisch gewählte Verteidigungs- und Abrüstungsminister der DDR, so authentisch und lebhaft von diesen historischen Momenten erzählt und die Geschichte vor den Augen und Ohren der Schüler und Schülerinnen auferstehen lässt, schafft er den Anwesenden nicht nur Gänsehautmomente, sondern verdeutlicht nachhaltig und schlicht, dass, so Leon Hück aus der Q3, „Diktatur einfach schlechter ist als Demokratie - wir aus den Fehlern lernen und die Zukunft besser machen müssen!“

Mitreißend erzählt Eppelmann aus seinem Leben und wie er Bürgerrechtler wurde, welche Repressalien er persönlich erdulden musste und wie er für das,woran er glaubte, auch ins Gefängnis musste. Es wird bei aller Euphorie für die Demokratie deutlich, dass er im Kampf für Bürgerrechte auch Angst gehabt hat; er macht aber gleichzeitig unmissverständlich klar, dass jeder einzelne von uns immer die Möglichkeit habe, Entscheidungen zu treffen.

Auch Kultusminister Alexander Lorz erinnert die Oberstufenschüler und -schülerinnen in dieser Geschichtsstunde der besonderen Art an ihre gesellschaftliche Verantwortung und daran, dass Demokratie „kein Geschenk“ sei: „Dass wir sie verteidigen müssen“, so Lorz, zeige die deutsche Geschichte eindrücklich.

In seiner Ansprache erinnert auch Schulleiter Rainer Guss an Meilensteine deutscher Geschichte wie die Gründung der BRD, die Einführung des Frauenwahlrechts, die Weimarer Verfassung, aber auch die Reichspogromnacht. Er betont in diesem Zusammenhang natürlich auch die Bedeutung des Mauerfalls vor fast 30 Jahren und mahnt genauso an, dass jeder einzelne für die Demokratie kämpfen und einstehen, „im positiven Sinne streiten“ müsse.

Dass Demokratie nicht nur ein Thema für den Geschichtsunterricht ist, gilt für unsere Schule in diesem Jubiläumsjahr im besonderen Maße: Ende Oktober startet endlich unsere Projektwoche, die im „Festival der Demokratie“ am 1. November ihren Höhepunkt finden wird.

 

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