„Gebt mir meine Kinder zurück!“

Die Frau vom Checkpoint Charlie

Von Regina Kampe, Fachsprecherin Geschichte

Die „Frau vom Checkpoint Charlie“ war im Juni 2018 zu Gast an der Leibnizschule. Für den Jahrgang 9 bedeutete dies, dass ein ganzer Schultag dem Thema „Staatssicherheit der DDR“ gewidmet war. Anhand der persönlichen Geschichte von Jutta Fleck und ihrer Familie wurde deutlich, dass die DDR ein Unrechtsstaat war.

Jutta Gallus, wie Frau Fleck damals noch hieß, unternahm zusammen mit ihren Töchtern 1982 einen Fluchtversuch aus der DDR. Sie wurde in Rumänien von Mitarbeitern der DDR-Staatssicherheit aufgegriffen und inhaftiert. Mit einem Flugzeug, in dem nur sie, ihre beiden Töchter und die Mitarbeiter der Stasi waren, wurde sie in die DDR zurückgeführt. Schon im Flugzeug durfte sie nicht mehr mit ihren Kindern  zusammensitzen geschweige denn kommunizieren.

In der DDR begann eine Odyssee durch verschiedene Gefängnisse. Frau Fleck berichtete, wie sie es schaffte, Verhöre und diverse Foltermethoden zu überstehen. Besonders eindrucksvoll war ihr Bericht über das Eingesperrtsein in Dunkelzellen, in denen das Wasser stand. Nach zwei Jahren wurde Frau Fleck in den Westen freigelassen. Doch ihre beiden Kinder hatte sie in der DDR zurücklassen müssen.

Nun begann der zweite Teil ihres Kampfes, diesmal um die Freilassung ihrer Töchter. Ihre Forderung an die DDR-Führung: „Gebt mir meine Kinder zurück!“ Jutta Fleck versuchte am Checkpoint Charlie, auf die unmenschliche Trennung von ihren Töchtern aufmerksam zu machen. Touristen wurden auf sie aufmerksam, Journalisten aus aller Herren Länder berichteten über ihren Fall. Mit Aktionen, z. B. bei der KSZE-Konferenz in Helsinki, brachte sie diplomatische Bemühungen um die Familienzusammenführung ins Wanken.

Beate Gallus, die damals ein junger Teenager war, berichtete aus ihrer Perspektive über ihre Kindheit und Jugend in der DDR und über die schwere Zeit der Trennung von ihrer Mutter. Sie erzählte, dass sie stets versuchte in Kontakt mit ihrer Mutter zu treten. Letztendlich war es vermutlich auch der Hartnäckigkeit der Kinder zu verdanken, dass die Behörden nach langer Zeit endlich nach gaben. Doch erst 1988 konnten Mutter und Töchter wieder zusammengeführt werden.

Frau Fleck und ihre Tochter hielten je einen Vortrag und gaben den Leibnischülerinnen und -schülern viel Raum für Nachfragen und zum Diskutieren. Sie stellten auch einen Dokumentarfilm vor, in dem die perfide Arbeitsweise der DDR-Staatssicherheit anhand der Geschichte von Jutta Fleck verdeutlicht wurde. Ein besonderes Schmankerl gab es zum Schluss: Das Publikum durfte sich am Büchertisch bedienen und u.a. ein Exemplar der „Frau vom Checkpoint Charlie“ signieren lassen und nach Hause mitnehmen.

Heute hat Jutta Fleck ihren Lebensmittelpunkt in Wiesbaden und ist Leiterin des Schwerpunktprojektes „Politisch-historische Aufarbeitung der SED-Diktatur“ für die Hessische Landeszentrale für politische Bildung. In dieser Eigenschaft besucht sie die Leibnizschule auch im kommenden Jahr wieder. Wir freuen uns schon sehr auf einen weiteren Thementag.

Leibnizschule Jutta Fleck Und Beate Gallus 24 06 2017
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