„Richtig spürbar“ sei die Vergangenheit

Exkursion der Geschichtskurse

Von Fr. Hundt

„Richtig spürbar“ sei die Vergangenheit geworden, schwärmt Sarah Schwaderlapp nach der Exkursion der Geschichtskurse. Gemeinsam mit ihren Lehrern und Lehrerinnen hatten die Kurse der Q3 am 31. Januar, kurz vor den Zeugnissen, unter anderem das „Haus der Geschichte“ in Bonn besucht. Den widrigen Temperaturen zum Trotz hatten sie sich in die ehemalige Bundeshauptstadt aufgemacht, um gemeinsam auf den Spuren der deutschen Demokratie zu wandeln.

Richtig spannend war dann natürlich auch der Besuch des alten Bundesrates. In jenem Saal innezuhalten, in dem einst das Grundgesetz entstanden ist, und noch immer der Geist Konrad Adenauers schwebt, ist schon ein „merk-würdiger“ Moment.

Natürlich haben sie sich im Vorfeld im Geschichtsunterricht - dank ihrer Lehrer und Lehrerinnen - sehr intensiv mit der deutschen Geschichte nach 1945 auseinandergesetzt, erzählt Sarah. Und dennoch – oder gerade deswegen - ist ein Besuch dieser Räumlichkeiten etwas ganz Besonderes. „Heute […] beginnt ein neuer Abschnitt in der wechselvollen Geschichte unseres Volkes: Heute wird nach der Unterzeichnung und Verkündung des Grundgesetzes die Bundesrepublik Deutschland in die Geschichte eintreten.“ Diese bedeutenden Worte sprach Konrad Adenauer am 23. Mai 1949 an genau diesem historischen Ort; und für die Abiturienten und Abiturientinnen wird Geschichte hier auf einmal (be-)greifbar. Was in dicken und vergriffenen Geschichtsbüchern oft so trocken daherkommt, gewinnt hier als konkretes Bild an Form und Farbe. In dem Saal, in dem das Grundgesetz entsteht, tagt vom September 1949 bis 2000 dann eben auch der Bundesrat.

Das Tagesprogramm, das die Geschichtslehrer und -lehrerinnen gemeinsam auf die Beine gestellt hatten, war vielfältig und hatte noch so einige andere Höhepunkte zu bieten. In unterschiedlichen Gruppen konnten die Oberstufenschüler und -schülerinnen - nach Interessensschwerpunkten - entweder an einem Karikaturenworkshop teilnehmen, das Archiv der sozialen Demokratie oder auch die Ausstellung „Unser Grundgesetz“ besuchen.

Das echte Highlight aber blieb für Sarah die Führung im Haus der Geschichte, wo, so berichtet die Achtzehnjährige, ein vielschichtig versierter Geschichtsstudent die Gruppe durch die Ausstellung führte und ihr nicht zuletzt auch tagesaktuelle Ereignisse ins Bewusstsein rückte: Ein echtes Flüchtlingsboot, das im wahren Leben Menschen über das Meer in ein anderes Leben bringen sollte, zeigt dieser Student - kaum älter als sie - ihnen: Er appelliert an die jungen Heranwachsenden, Geschichte „ernst“ zu nehmen, weil sie alle aus Fehlern der Vergangenheit lernen könnten. Das Boot, stummer und mahnender Zeuge ihrer Gegenwart, betont er, werde auch irgendwann Teil der gemeinsamen Geschichte sein.

Am Abend dann steigen die Oberstufenschüler und – schülerinnen müde, aber beeindruckt, in ihre Busse und machen sich zunächst schweigsam auf ihre Heimreise. Im Gepäck haben sie jede Menge Erinnerungen, die sie ganz sicher bewahren werden. Nicht zuletzt, weil es auch die letzte gemeinsame Fahrt dieses Jahrgangs gewesen ist.

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