Willkommen an Bord

Die Theatermacher auf der Bühne

Von Fr. Hundt

„Willkommen auf unserem Flug nach Kopenhagen!“ hieß es am vergangenen Donnerstag- und Freitagabend in der Aula der Leibnizschule, als die Theatermacher ihr Publikum mit auf eine aufregende Reise in die dänische Hauptstadt nahmen. Tomatensaft und Worcester Sauce gab es an Bord zwar nicht, dafür aber jede Menge turbulente Verwicklungen und Verwechslungen, die das Publikum aufs Kurzweiligste unterhielten.

Ein halbes Jahr lang hatten die jungen Nachwuchsschauspieler konzentriert mit Frau Nagtegaal an ihrer Adaption von Kästners Kriminalgeschichte Die verschwundene Miniatur gearbeitet. Entstanden sind spannende, aber auch lustige Szenen, die die Zuschauer zu einer turbulenten Reise einluden. Auf dieser durfte gelacht und gerätselt werden, was das Zeug hält – was für große Begeisterung beim Publikum sorgte, dass sich nur zu bereitwillig in diese gelungene Ganovenkomödie verwickeln ließ.

In Kästners Werk muss ein kostbares Miniaturgemälde von Kopenhagen nach Brüssel gebracht und auf dieser Reise vom Zugriff einer trotteligen Gangstergang bewahrt werden. Das kann dem gutmütigen Fleischermeister Külz zwar ziemlich Wurst sein - schließlich ist er nur auf Urlaub in Kopenhagen. Doch die charmante Irene Trübner, Sekretärin eines steinreichen Kunstsammlers, überredet ihn, ihr beim heimlichen Kunsttransport zu helfen. Dass auf dieser Reise nicht nur das Original, sondern auch eine Fälschung abhanden kommen und die Ganoven, die es auf diese Miniatur abgesehen haben, zwar einiges auf dem Kerbholz, aber weniger im Köpfchen haben, und es irgendwie nicht schaffen, dem Fleischermeister die Preziose abzuluchsen, verspricht schon ganz alleine allerbeste Unterhaltung. Als dann die Nachwuchstalente mir nichts dir nichts die Bühne mit wenigen Mitteln in die unterschiedlichsten Schauplätze verwandeln, kommt der Text erst so richtig Schwung: Mit lässig über den Bühnenrand baumelnden Beinen wird der Aulaboden beispielsweise zum sommerlichen Meer, in das man die Füße eintauchen kann, und die Vorbühne dahinter zum lauschigen Strand. Und als Külz, hervorragend gespielt von Jakob Wimberger und Sebastian Grünewald und Irene (Mairon Dohnalek) auf High Heels bei starkem Seegang über die Schiffsplanken wanken, um schließlich an der Reeling etwas Halt zu finden, glaubt jeder einzelne Zuschauer in der Aula höchstpersönlich mit an Bord zu sein. Seekrank wird aber glücklicherweise niemand, so dass sich die voll besetzten Reihen im Lauf des Abends natürlich nicht lichten.

Den Herausforderungen des häufigen Schauplatzwechsels hat die Truppe mit Bravur bestanden – der Umbau erfolgte zügig und leise, hier hatte sich ganz sicher das disziplinierte Einüben der Abläufe ausbezahlt. Die vielen liebevollen Requisiten, die auf der gemeinsamen Theaterprobenfahrt nach Kaub entstanden sind, wurden ebenso wirkungsvoll eingesetzt wie gezielt ausgewählte Elemente des minimalistischen Bühnenbildes. Als Bonbon konnte die Truppe mit dem passgenauen Einsatz von Licht und Musik punkten und das Publikum begeistern.

Am Ende dann entließen die Theatermacher ihr Publikum mit dem ein oder anderen Ohrwurm in die Nacht. Natürlich erst, nachdem sich der Vorhang wiederholte Male geöffnet und das Publikum „seine“ Schauspieler frenetisch gefeiert hatte. Wie schade, dass jede Reise einmal zu Ende geht. Aber wer die Nachwuchstalente um Theaterleiterin Astrid Nagtegaal gesehen hat, der weiß: Diese jungen Talente brechen ganz sicher schon bald wieder zu neuen Ufern auf! Die Theaterfangemeinde darf gespannt sein.

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